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Die Ziegen und das Verschwinden der letzten Wälder Fuerteventuras.
Ein Artikel der spanischen Zeitschrift Quercus weist auf die Gefahren der Überweidung für die endemische Pflanzenwelt Fuerteventuras hin.
10 auf der Welt einzigartige Pflanzenarten sind aufgrund der Ziegen vom Aussterben bedroht.

ziegencofeteweb Die älteste spanische Zeitschrift über Umweltinformation, Naturforschung und Naturschutz hat in ihrer letzten Ausgabe aus dem Jahr 2012 einen eingehenden Bericht über die Überbleibsel der Baumflora Fuerteventuras veröffentlicht. Unter der Überschrift „Die letzten Wälder der kanarischen Wüste“ warnen die Forscher Stephan Scholz und César-Javier Palacios vor den schwerwiegenden Problemen, die aufgrund der Überweidung entstehen, bzw. vor dem Aussterben besonders gefährdeter Pflanzenarten - vor allem durch teilweise frei lebende Ziegen.

Laut dieser Studie sind 10 endemische Pflanzenarten Fuerteventuras, 13 weitere der östlichen Kanarischen Inseln und 4 weitere auf den Kanaren wachsende Pflanzenarten vom Abfressen und Zertreten des auf der Insel heimischen Viehs schwer betroffen. Vor 2.000 Jahren bestanden die ursprünglichen Wälder Fuerteventuras hauptsächlich aus wilden Olivenbäumen.

acebuchewebHeutzutage ist der Olea cerasiformis (Spanisch = acebuche canario) eine auf der Insel seltene Art - gemäß Schätzungen der Autoren wachsen hier nicht mehr als 500-600 Exemplare. Einige Exemplare wurden sogar über Jahrhunderte vom Vieh derartig abgeäst, dass kleine hundertjährige Naturbonsais entstanden sind. „Es ist etwas Einzigartiges auf der Welt“ erklärt Stephan Scholz, Doktor der Biologie und Leiter der Botanischen Gartens von Fuerteventura Oasis Park, in La Lajita.
Teil des auf Fuerteventura typischen Waldes war - abgesehen vom wilden Olivenbaum – der Mastixbaum. Heutzutage verbleibt lediglich ein Restbestand von Pistacia atlantica (Spanisch = almácigo) in Vega de Río Palmas, in der Nähe von Betancuria, mit weniger als 200 Exemplaren.

pistaciawebMehrere Ortsnamen zeugen noch vom häufigen Vorkommen dieses Baumes wie zum Beispiel El Almácigo, in der Gemeinde Puerto del Rosario, wo heutzutage kein Exemplar mehr vorzufinden ist.
Auf einem kleinen Felsen auf Fuerteventura wurden im Jahr 1990 vier Exemplare der rosa ahornblättrigen Strauchmalve Lavatera acerifolia (Spanisch = malva de risco), ein bis zu 2 Metern großer Busch, der auf den Kanaren endemisch ist, gefunden. 22 Jahre später befindet sich dieser kleine Bestand in demselben ärmlichen Zustand. „Ungeschützt und in Reichweite der Ziegen“ beschwert sich César-Javier Palacios, Geograf und Mitglied der Stiftung Félix Rodríguez de la Fuente.
Vom Bosea yervamora (Spanisch = hediondo) sind nur zwei Exemplare in Jandía auf zwei unerreichbaren Felsen bekannt. Der unangenehme Geruch der Blüten des 'Stinkstrauches‘ – daher der Name - hat ihn jedoch nicht vor den Ziegen verschont.
Vom ostkanarischen Maytenus canariensis (Spanisch = peralillo) gibt es weltweit nur noch 13 Exemplare: 5 auf Fuerteventura und 8 auf Lanzarote, welche auf für das Vieh unzulänglichen Felsen wachsen. „Der große Abstand zwischen den überlebenden Exemplaren und die Tatsache , dass es sich beim Kanaren-Maytenus um eine diözische Pflanzenart handelt (mit männlichen und weiblichen Pflanzen), führt jedoch dazu, dass eine natürliche Fortpflanzung unmöglich ist", erklärt Stephan Scholz. Nur einer der auf Fuerteventura wachsenden Kanaren-Maytenus, der zu einer Gruppe von drei relativ aneinanderliegenden Exemplaren gehört, trägt regelmäßig Früchte. Die wenigen Sämlinge, die am Fuße des Steinhanges wachsen könnten, können jedoch aufgrund der Pflanzenfresser nicht überleben. Von dieser weiblichen Pflanze wurden erstmals im April 2006 Samen geerntet, dank denen heutzutage in ein paar botanischen Gärten mehrere Exemplare dieser Pflanzenarzt wachsen. „Die frei wachsenden Exemplare sind jedoch dem Vieh weiteLink: rhin schutzlos ausgesetzt”, bedauert César-Javier Palacios.
Vom Sideroxylon marmulano (Spanisch = marmulán), ein mit dem marokkanischem Arganbaum verwandter Strauch, gibt es nur noch ein einziges Exemplar. Das tragischste Beispiel ist jedoch das des Baumes Picconia excelsa (Spanisch = palo blanco), - das letzte Überbleibsel der Lorbeerwälder, die einst vor der menschlichen Bevölkerung Fuerteventura bedeckten -, da dieser keine Früchte mehr trägt. „Es handelt sich um den letzten Mohikaner, dass heißt, es ist bereits zu spät. Wenn dieses Exemplar stirbt, wird diese Pflanzenarzt von der Insel und somit eine unwiederbringlicher Genreichtum verschwunden sein“, verdeutlicht Scholz.
Ein weiterer Baum des steinzeitlichen Lorbeerwaldes ist der Mocán (Visnea mocanera) mit nur 6 Exemplaren, die noch auf den unzulänglichsten Felsen Jandías wachsen. Es handelt sich hierbei um eine einst häufig vorkommende Pflanzenart, wovon ebenfalls der Name einer der höchsten Berge Fuerteventuras, der Pico del Mocán, zeugt.
In diesem Sinne ist César-Javier Palacios kategorisch: „Die Intensivbeweidung und die zu große Ziegenpopulation in einem Gebiet mit geringen Regenfällen führt zu einer zerstörerischen Umweltstrategie aufgrund des Verschwinden der Pflanzendecke, was zur Verwüstung und zum Fortschreiten der Erosion beiträgt.“
Die Ziegen sind die unmittelbaren Hauptverantwortlichen für das Verschwinden der einstigen Wälder Fuerteventuras und der hier lebenden Pflanzenarten. Dennoch weisen die Autoren Scholz und Palacio auf etwas Kurioses hin: Das Bestehen von Vieh hat einen positiven Einfluss auf andere vom Aussterben bedrohte Tierarten wie zum Beispiel den Schmutzgeier (Neophron percnopterus) und den kanarischen Raben (Corvus corax canariensis).
Wie sie in der Zeitschrift Quercus erklären, läge die Lösung nicht in der Beseitigung der Ziegen, was auch nach Ansicht der Forscher „auf einer Insel mit einer so starken Viehzuchttradition unmöglich wäre". Sie sind jedoch gegen die teilweise frei lebende und kontrolllose Haltung der Ziegen, wie es heutzutage der Fall ist. Sie fordern ebenfalls die Erstellung eines Netzes von botanischen Mikroreservaten zum Schutz besonders bedrohter Pflanzenarten.
Hier der Link zum Originalartikel in spanischer Sprache:

http://www.quercus.es/noticia/5301/Articulos-de-fondo/Los-ultimos-bosques-del-desierto-canario.html
Kontakt:
César-Javier Palacios: 653 48 30 06
Stephan Scholz: 637 45 84 51

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