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...Fuerteventura mit anderen Augen sehen

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tamaran webZwei Dinge fallen auf: Mario Cabrera darf immer die tollen Sachen machen und sein Gesicht ist das erste menschliche und vermutlich auch das letzte, was der kleine Geier in seinem Leben jemals sehen wird. Liest du jetzt warum....  von Sabine Kiesewein

Er heißt Tamarán, der erste Geier-Nachwuchs, der - in Gefangenschaft  geboren –  in die Freiheit des blauen Himmels über Fuerteventura startete. Ganz dunkel im Gefieder und noch ohne die charakteristisch schwarz-weiß-gelben Farben der älteren Vögel, blickte er zu diesem Fotoshooting eher verängstigt als froh in Mario Cabreras Antlitz. Dann ging alles ganz schnell: bereits wenige Wochen nach seiner Freilassung im November in der Nähe von Tiscamanita hatte er sich bereits zu einer Gruppe anderer Guirres (kanarischer Name für diese Vogelart) gesellt, die in der Region leben und hat bis heute bereits einige Ortsveränderungen vorgenommen.

Tamarán zählt zu der Kanarischen Spezie der Schmutzgeier (Neophron percnopterus majorensis) und wurde Im Mai 2013 in der Schutzstation Tafira auf Gran Canaria geboren. Als Kind eines Guirre-Pärchens, das selbst wegen körperlicher Beeinträchtigungen nicht mehr in Freiheit leben konnte, war der kleine Schmutzgeier auch ein Forschungsobjekt, dessen Aufzucht an sich schon einmal erfolgreich war. Während der ersten 5 Lebensmonate konnten so interessante wissenschaftliche Studien erfolgen, wobei nach Aussagen des biologischen Direktors Pascual Calabuig immer darauf geachtet wurde, den Kontakt mit Menschen soweit wie möglich zu vermeiden. Das ist nämlich Voraussetzung für eine erfolgreiche Wiedereingliederung in seinen natürlichen Lebensraum. So wuchs er unter anderen Schmutzgeiern auf und musste sich seine Nahrung weitgehend selbst „erarbeiten“. Mario Cabrera und die amtierende Ministerin der Umweltbehörde, Natalia Évora, standen dann Pate in einem historischen Moment:  die Freilassung der Nachzucht einer bedrohten Tierart, die für Fuerteventura fast schon legendäre Bedeutung hat.

Die kulturelle Bedeutung des Guirre findet sich in den Legenden über diesen kleinen Geier, die über Jahrhunderte mündlich überliefert wurden, beleuchteten ihn als „heiligen Vogel“. Eine der bekanntesten mystischen Geschichten handelt von dem Vogel Fénix (Phönix), der nach seinem Tod sich aus der Asche gen Himmel erhob. Genetische Studien belegen, die ein Vorkommen dieser Spezies bereits vor der Erstbesiedlung der Insel. Die Ureinwohner entwickelten ein besonderes Verhältnis zu diesem Vogel, was sich in vielen überlieferten Geschichten und Legenden wiederspiegelt.  Die Anwesenheit des Guirre ist auch heute noch von unbestrittenem Vorteil für die Landwirtschaft und für die Umwelt im Allgemeinen, denn er ist ein sogenannter Nutznießer organischer Restabfälle. Überwiegend ernährt er sich von Aas und hält so die Landschaft auf natürliche Weise frei von Kadavern. Allerdings wurde er auf mangels eben dieser Nahrungsquellen bei der Jagd auf Eidechsen, Mäusen und Großinsekten beobachtet. Auch an Mülldeponien fliegt er nicht achtlos vorbei. Natalia Évora, die darüber hinaus Direktorin des Projektes „Life Conservación del Guirre Majorero“ in den Jahren 2004-2008 war, erinnerte sich an den kritischen Zustand des Bestandes dieser Tierart im Jahre 1998, als man nur ca. 100 Exemplare auf der ganzen Insel zählte. Durch intensive Projektarbeit schaffte man es immerhin, die Anzahl der Vögel auf ca. 200 bis heute zu verdoppeln. Hierzu ein wunderbares Video mit vielen Infos zum Projekt.

Eine Schlüsselrolle dabei spielte die Estación Biológica de Doñana, die unter Federführung des wissenschaftlichen Leiters José Antonio Doñazar das Projekt koordiniert hat und auch heute weiter begleitet. So hat man dem Zögling Taramán schon in der Aufzuchtstation einen Radiotransmitter angefügt, so dass man sein räumliches Verhalten über GPS besonders gut verfolgen kann. „In der ersten Woche seiner Freilassung konnte man so beobachten, dass er nur kurze Ausflüge von maximal 1 km in die Umgebung unternahm. Das ist normal, da Küken in der Regel nur kurze Distanzen entfernt vom Nest aufsuchen.“, so José Antonio Doñazar.

„Der wichtigste Aspekt in den ersten Zeiten nach der Freilassung ist garantiert seine Integration in den Kreis der anderen Geier-Gruppen“,führt Doñazar weiter aus, “wobei die entscheidende Beobachtung die gemeinsame Nutzung der Fressplätze war. Das ist ein Zeichen dafür, dass alles gut verlaufen wird.“

Alle Wissenschaftler betonen, dass die schnelle Integration im Wesentlichen auf  die Art gerechte Aufzucht mit kaum Kontakt zu Menschen zurück zu führen ist. Auch hat man versucht, möglichst  viele Natur ähnliche Prozesse zu imitieren. Selbst nach seiner Übersiedlung nach Fuerteventura (vor seiner endgültigen Freilassung) lebte er in Betancuria in einem großen Freigehege, in dem er seine „Betreuer“ nie sehen konnte.

Nun liefert der „Musterschüler“ Tamarán mit seinen Aktivitäten per WIFI übers Internet wichtige Daten, die registriert und anschließend ausgewertet werden können. Diese Untersuchungsmethode ist in dieser Genauigkeit neu und liefert bisher unbekannte Informationen über Verhaltensweisen dieser Vogelart: wie z.B. zurückgelegte Distanzen, Flughöhe, Geschwindigkeit. Zusammen mit den Daten anderer entsprechend ausgestatteter Vögel können so Aussagen über individuelles oder eben Art typisches Verhalten getroffen werden.

Der Neophron percnopterus majorensis, als Unterart des Gemeinen Schutzgeiers, wird auf den Kanaren schlicht Guirre genannt. Er war noch vor den Menschen auf unserem gesamten Archipel heimisch und steht heute auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Immer noch gilt seine Zukunft als gefährdet. Als Nutztier für die Umwelt hilft er Tierkadaver zu beseitigen und schützt somit Erde und Wasser vor Kontamination mit Krankheitserregern. Mit Ausbreitung menschlicher Siedlungen und stärkerer Manipulationen von Grund und Boden durch den Menschen im Laufe des 20. Jahrhunderts verschwand der Guirre mehr und mehr und zog sich bis auf wenige Exemplare ausschließlich nach Fuerteventura zurück. Mit Blei vergiftete Jagdkadaver, Hochspannungsleitungen, fehlender Zugang zu Trinkwasser und erhebliche Störfaktoren in seinen Brutgebieten an Felshängen sind nach wie vor Risikofaktoren für seinen Fortbestand.

brutstilleEs gelten heute glücklicherweise auch auf den Wanderrouten der Insel vom 15. Februar bis 17. Juli während der Paarungs- und Brutzeit Zugangsbeschränkungen.   

Das Schutzprogramm auf Fuerteventura kann man als besonders erfolgreich bezeichnen. So wuchs die kleine Gruppe von 94 Individuen Ende des 20. Jahrhundert bis heute zu einer stattlichen Population von 230 Exemplaren heran. Man hofft, damit den Fortbestand zunächst gerettet zu haben und sogar den Guirre auf anderen Inseln wieder heimisch machen zu können. Auf Lanzarote „wohnt“ derzeit nur ein Pärchen.

Im Centro de Arte Juan Ismael startet heute die Ausstellung zu diesem Projekt. Sie ist noch bis zum 31. Januar dort jeweils Montag bis Freitag 10- 14 und 17-20 Uhr zu bestaunen.

Für denjenigen, der nicht auf Fuerte weilen kann oder sonst verhindert ist, für den haben wir das Video zum LIFE-Schutz-Projekt hier schon einmal eingelockt: http://www.youtube.com/watch?v=1gqeAb4AyJ4&feature=player_embedded

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