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fussballLiebe Freunde der Satire! Es ist uns gelungen, Siegbert Heid als Kolumnist für Kritisches und Originelles aus Sport und Politik für die EL FOCO ONLINE zu gewinnen. Allmonatlich wird er ab jetzt für uns lästern, frotzeln, picken und auf die Schippe nehmen, was sich im vergangenen Monat in Sachen Sport und Politik in Deutschen Landen so ereignet hat. Dank ausreichend großer Satellitenschüssel tut er das mit Vorliebe von Fuerteventura aus. Mann hat von hier aus einfach den besseren Überblick. Viel Spaß! Und los gehts mit dem

Der Steilpass im Februar 2014 – von Siegbert Heid

"Nun haben wir es einmal mehr geschafft und die Zeit ohne Fußball hoffentlich einigermaßen gut überwunden. Mit dem Ball beginnt für diejenigen, die darüber schreiben oder sprechen, das Trampolinspringen auf die deutsche Sprache, wobei ich nicht unterschlagen will, dass auch originelle Versuche die Belastungsfähigkeit und Elastizität unserer Sprache nur noch deutlicher machen.

Erinnern wir uns an den ersten Sieg des 1.FC Nürnberg (3:0 gegen Hoffenheim). Nach dem 1:0 urteilte der Reporter im Stadion kurz und bündig: „Jetzt ist der Bart ab.“ Der Moderator im Studio mochte noch nicht daran glauben und befand: „Das ist noch eine dünne Suppe.“ Man muss wissen, dass Nürnbergs Trainer sich einen Bart wachsen ließ, der erst nach dem ersten Sieg abrasiert werden sollte. Nach dem 2:0 war dann erst recht der Bart für den Stadionreporter ab. An das 3:3 der Nürnberger in Hannover nach einer 3:0 Führung denkend, erwiderte der Moderator: „Über diese Brücke gehe ich noch nicht.“  Nach dem 3:0 ging dann auch der Kollege im Studio über die Brücke.

Unterdessen wollte zur Halbzeit beim Spiel der Dortmunder gegen die Augsburger Sabine Töpperwien auch originell sein. Als der Schiedsrichter von den Zuschauern ausgepfiffen wurde, meinte sie: „Der Schiedsrichter hat im Rahmen seiner Möglichkeiten alles richtig gemacht.“ Ist der nun eine doofe Nuss oder von beschränktem Sachverstand? Hier lässt sie uns im Unklaren. Aufgefallen ist mir in der Sportschau über den 19. Spieltag die Häufung falscher Entscheidungen. Von dieser Schiedsrichterzunft gibt es immer mehr rund um das Spielfeld. Verbessert haben sich die Entscheidungen deswegen nicht. Jetzt hat sich Béla Rethy in diesem Zusammenhang zu Wort gemeldet. Das Spiel Bayern-München vs. Eintracht Frankfurt (5:0) wertete er als sehr fair und urteilte: „Der Schiedsrichter musste nicht an seine Grenzen gehen.“ Was ist damit gemeint, Grenzen der Regelkenntnis oder der Sehkraft? Ich weiß es jedenfalls nicht.

Dazwischen wurde in den Nachrichten von der Wahl der neuen SPD-Generalsekretärin berichtet. Dieselbe hat auf eine Journalistenfrage, wie die SPD künftig auf Landesebene mit den Linken umgeht, nicht auf die Entscheidungskompetenz der Landesverbände verwiesen, sondern ihre Meinung geäußert. Dazu der Kommentar der Korrespondentin: Frau Yasmin Fahimi ist wohl mit dem „Wording in Berlin“ noch nicht so recht vertraut. Diese Floskel war mir bisher fremd. Mit ihr werde ich mich kaum anfreunden. Zugegeben, es ist schwer, immer das Richtige zu sagen. So ist „Beine verknoten“ bei Yoga normal, während es während eines Polizeiverhöres als Folter gilt. Es kommt also immer auf den Zusammenhang an.

Nur so ist die Floskel des Gladbacher Spielers nach der 3:1 Niederlage in Hannover zu verstehen, wenn er sagt: „Die Bundesliga ist keine Zirkusveranstaltung.“ Ähnlich setzt der Reporter vom Spiel Eintracht Braunschweig vs. BVB (1:2) viel Hintergrundwissen voraus, wenn er sagt: „Nielsen ist ein echter Braunschweiger. Er kämpft und schießt kein Tor.“ Oder ein Beispiel aus der 3. Liga: „Keiner (Stürmer Stroh-Engel, SV Darmstadt ) ist cooler vor der Hütte. Er ist der Ballermann der Liga.“ Er vermischt damit ungeniert Winter- und Sommerurlaub. Einen klugen Zug machte auch der Trainer des RB Leipzig nach der letzten Heimniederlage: „Ich habe keinen aus der Mannschaft erschossen.“ Das hat aber nichts genützt. Leipzig verlor auswärts das nächste Spiel in Duisburg mit 2:1. Der ritualisierte Umgang mit Trainern lässt erwarten, dass er nach zwei weiteren Niederlagen mit Sicherheit sportlich zur Strecke gebracht werden wird.

Dann beschäftigte die Sportwelt noch Kießlings Unterhose. Nach seinem Tor gegen den VfB Stuttgart (2:1 Sieg für Bayer 04) zeigte er vor laufender Kamera den Fans, keck posierend, seine Unterhose. Hintergrund: Eine Fangruppe hat ihm zum Geburtstag dieses zweifelhafte Geschenk gemacht. Ich wette, das macht Schule bei den anderen Fanclubs. Kießling braucht sich sein Leben lang keine Unterhosen mehr kaufen.

Nur ein Routinier wie Béla Rethy konnte einen Langweiler wie das Spiel der Bayern gegen Frankfurt einigermaßen unfallfrei am Mikrofon überstehen. Es gab eigentlich nichts zu sagen, nur 80 % Ballbesitz der Münchener zu sehen. Gleichwohl gelangen ihm einige Apercus. Nach dem 4:0 erklärte er uns: „Jetzt spielen sie nur noch Hacke, Spitze, Tralalla. Nach Uli Hoeneß kommt zum Osterhasen (Deutscher Meisterschaft) im April dann doch der Weihnachtsmann.“ Man sieht, Béla ist fest verankert „im richtigen Glauben“, wie der Kabarettist Konrad Beikircher sagen würde.

Dann musste er einmal mehr Minuten überbrücken. Da kam ihm ein Fehlpass von Thiago sehr zupass. Dieser, gerade mit 185 Ballkontakten (in jeder Minute zweimal am Ball) in einem Spiel der Bundesliga neuer Rekordmann geworden, musste sich von ihm die Frage gefallen lassen, ob nach 176 Zuspielen nun das verunglückte 177. der Beginn einer Krise sei. Der arme Béla konnte einem richtig Leid tun. Aber er konnte sich ja nicht am Mikrofon über den Aristotelischen Diskurs auslassen. Den „Ballkontaktweltrekord“ hält übrigens Sergio Busquets, FC Barcelona, mit 190 Ballkontakten.

Bei so vielen weichgespülten Typen in der Bundesliga ist man um jede kernige Aussage froh. Vielleicht hat Dortmunds Watzke mit seiner Bemerkung über die Bayern, die „uns kaputt machen“ eine interessante Diskussion angestoßen. Feuer unterm Dach ist auch beim HSV. Lustlos wie ein Absteiger zeigten sich die 11 Spieler bei der 3:0 Niederlage in Hoffenheim. „Sie laufen, als würden sie während einer Kaffeefahrtpause einen Spaziergang machen“, meinte der Reporter zur Halbzeit. Vergessen waren Tugenden wie Kampfgeist und Laufbereitschaft.

In Hannover wollte man Trainer Slomka vergessen. Sein Nachfolger macht nun genau dasselbe: schnelles Umschaltspiel aus der Balleroberung heraus. Dann verlangt Trainer Korkut „viel Ballbesitz“. Tatsächlich hatte Hannover bei den beiden Siegen gegen Wolfsburg und Gladbach noch nicht einmal 40 % Ballbesitz. Dafür laufen die Hannoveraner wieder. War man unter Slomka noch die lauffaulste Mannschaft, so rennt man nun mehr Kilometer als der Gegner.

Alice Schwarzer hat dagegen ein Konto in der Schweiz vergessen. Sie hat das nun ordentlich geregelt, keine Frage. Ich hätte es gut gefunden, wenn sie beim Aufbau ihres Frauenarchivs in Köln nicht nur Steuermittel von uns allen eingesetzt hätte. Ein Beitrag aus eigenem Vermögen wäre der Sache dienlich gewesen. Die Dame ist schwerreich, das Vermögen auf zahlreichen Konten verteilt. Nur so erklärt sich, dass man ein Konto über Jahre nicht mehr parat hat. Das ist dann aber nicht mehr Vergesslichkeit, sondern Demenz.

Eine originelle Begründung hatte Leverkusens Trainer Hyypiä nach dem 2:1 Sieg gegen den VfB Stuttgart. „Wir hatten viel mehr Balance im Spiel.“ Da musste etwas dran sein. Sein frustrierter, kurz zuvor eingewechselter Schweizer Ergänzungsspieler Eren Derdiyok schlug mit seiner Bemerkung: „Ich bin umgefallen, aber wieder aufgestanden“ in die gleiche Kerbe.

Spannendes außerhalb des Spielfeldes hat Hertha BSC Berlin zu bieten. Der Heuschrecken-Finanzinvestor KKR (Kohlberg, Kravis, Roberts) wie Franz Müntefering sagen würde, engagiert sich mit ca. 61 Millionen Euro bei Hertha und erhält eine Minderheitsbeteiligung von 9,7 %. Die Berliner feiern dies als Quantensprung. Mehr als teure Kredite aus der Vergangenheit können sie damit nicht abbezahlen. So werden die Schulden des Vereins im Prinzip nur umverteilt.

Ob KKR sich vom Saulus zum Paulus wandelt? Bisher sind sie als rücksichtslose Sanierer aufgetreten. Als Finanzgesellschaft sind sie auf schnelle Gewinnmaximierung aus. Die Amerikaner versprechen sich vom Einstieg in das prosperierende Bundesligageschäft eine ordentliche Rendite. Der KKR besitzt zudem eine Option, die Beteiligung auf 33,3 % zu erhöhen. Dann gibt es keine Entscheidung mehr ohne die Geldgeber. Das ist wie der „Ritt über den Bodensee“. Ich wünsche den stets großspurigen Berlinern, dass das gut geht.

Mit der Vergabe der Olympischen Spiele an Sotschi und der Fußball-WM haben IOC und FIFA uns naiven Sportbegeisterten bewiesen, dass es nicht um den Sport geht, sondern ums Geschäft. Nicht weniger dreist ist die Gelddruckmaschine, auf die der Basketball-Weltverband gekommen ist. Um an der Basketball-WM in diesem Jahr in Spanien teilnehmen zu können, braucht man weniger eine sportliche Qualifikation als mehr eine stattliche Portion (Schmier) Geld. Eine Million Euro für eine Eintrittskarte in den Wettbewerb sollte es schon sein. Barzahlung wäre am angenehmsten. Vielleicht benötigt man auch ein wenig mehr. China und Russland stehen schon auf der Matte für die ausgelobten vier Tickets. Ich gehe einmal davon aus, dass Quatar hinzukommt. Dann wird es für andere finanziell eng. „Das ist eine ganz normale kaufmännische Angelegenheit“, sagt Fiba-Schatzmeister Manfred Ströher. Man müsste ihn zwingen anzufügen: „Mit Sport haben wir nichts mehr am Hut, nur Geld interessiert uns.“ Zu Ende gedacht, kann man sich teure Qualifikationsrunden sparen. Das eingesparte Geld wird unmittelbar für die Versteigerung der Teilnahmeberechtigung bereitgestellt.

Siegbert Heid, Anfang Februar 2014, bevor die nächste Gelddruckmaschine namens Olympischen Spiele startet, die meine volle Aufmerksamkeit erfordert."

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