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lemkemilchwebDer letzte Mohikaner des Deutschen Films - e i n e  B e g e g n u n g  m i t  L e m k e  -  von Charly Lang

Nicht Robert Lemke. Der ist genauso gut und bekannt aber schon lange tot. Der andere ist gerade 74 geworden, sieht jünger als seine Zeitgenossen vom Film aus und ist quicklebendig. Vielleicht weil er so wenig isst und jeden Tag ins Fitnesszentrum rennt. Klaus Lemke, Kultregisseur und Filmlegende aus München erwartet mich zum Frühstück auf seiner Urlaubsinsel Lanzarote.

Wir kennen uns seit unserer gemeinsamen Schwabinger Zeit Ende der Siebziger Jahre. Ich erinnere mich noch an die vielen Münchner Filmpremieren, einmal am Odeonsplatz mit dem amerikanischen Busenregisseur Russ Meyer mit anschließender Party in der Amalienstrasse. Alle waren sie da, der Bernd, der Driest, der Fischer und manchmal auch der Dietl. Starlets und Sternchen, Gigolos und Platzhirsche der damaligen Discozeit, Banker und Fotografen, Maler und Autoren, Blender und Betrüger, Produzenten aus Berlin und jede Menge Modells aus München und Düsseldorf. Eine bessere Partymischung gabs nirgendwo in Deutschland. Höchstens in Berlin, aber das gehörte ja damals noch zu Ostberlin. Ich kann mich an jedes dieser Münchner Premierenfeste erinnern.

Ich hatte damals eine Galerie mit Durchgang zu dieser berüchtigten Szenenkneipe. Es gab immer genug hübsche Mädchen, genug zu trinken, zu rauchen und zu essen. Und im Keller stand das Equipment einer Band aufgebaut. Zum Üben und zum Posen, für mitternächtliche Sessions und Chart-Träume. Oben am Tresen stand manchmal der Lemke, wortkarg, cool und beobachtend – obwohl dies nicht sein Stammcafé war.

Ortwechsel, 35 Jahre später und 5000 km weiter südlich. Lanzarote, Kanarische Insel. November 2013. Ich besuche denselben Lemke, der sich hier gerade beim Wandern erholt. Erst vor drei Jahren haben wir zusammen gegenüber auf der Nachbarinsel Fuerteventura gedreht und kaum gesprochen. Er hatte kaum Zeit vor lauter Film. Mich hatte er engagiert weil ich diese Insel kenne wie kaum ein anderer und weil ich Fotograf bin.

lemkelaessigwebDer König von Schwabing wie er einmal genannt wurde, hat sich auch heute kaum verändert. Doch. Er trägt eine neue schräge Schiebermütze, Jeans und ein weißes verdrecktes T-Shirt und sieht aus, wie wenn er gerade aus der West Side Story herausgebeamt wurde. Oder noch besser – aus einem Fellini Film. Begrüßt mich herzlich aber schweigt. Spricht aber mehr als damals in den Hippie Jahren. Überlegt etwas bevor er seine neuen Ideen und Ratschläge ausspuckt. Ich denke unweigerlich an seine Filme. An seine Klassikerszenen, die guten und erfolgreichen und an die Flops, die verrissenen und an die missverstandenen. Das hat sich bis heute kaum verändert. Er spaltet die Filmfans, lässt schon mal auf der Biennale die Hosen herunter. Aber räumte in den vergangen Jahren einen Preis nach dem anderen ab und ist fleißig wie noch nie. Hat fast 60 Filme produziert.

Gerade hat er eine Best of Lemke DVD mit 13 seiner persönlichen Hits zusammengestellt. Darunter auch einige Sekunden vom Dach der Welt dem World Trade Center ca 1981 Diese Bilder haben jetzt schon Sammlerwert. Sein Schwarz-Weiß-Klassiker Rocker aus dem Hamburger Milieu hat längst Kultstatus und wird oft zusammen mit Easy Rider genannt. Soviel weiß ich noch.

Jetzt steht der alte Haudegen und Weiberheld vor mir und wartet wieder, dass ich was sage. Wir hatten mal zwei gemeinsame Freundinnen, Fotomodelle. Eine nett und rattenscharf, die andere egozentrisch und oftmals bekifft. Hochrisikofrauen. Eine ist noch quicklebendig die andere hat sich verabschiedet. Ihre Urne wartet darauf, von mir ins Meer versenkt zu werden. Vielleicht hat ja der Filmemacher eine Idee. Der nickt nur stumm. Bloß keine Vergangenheit. Wie Recht er hat. Für ihn gilt nur das Heute und Morgen, vielleicht noch das Übermorgen und evtl. der nächste Film. Du bist kein Finisher, sagt er mir, die Asche wird noch Jahre bei mir stehen.

Dann sprechen wir über Ridley Scott. American Gangster ist einer der Lieblingsfilme. Komisch. Lemke hatte für seinen Fuerteventura Film knappe 100 000 Euro zur Verfügung, Sach Baron Cohan für seinen Diktator etwa 30 Mill. und Scott‘s Exodus, der gerade bis Mitte Januar hier gedreht wird, verschlingt an die 150 Mill Dollar.

Lemke bespricht mit mir ein neues Filmprojekt, wird auch Zeit. Themen gibt’s hier genügend und Nebendarsteller aus 100 Nationen, oder mehr. Er bereitet mir dieses scharfe Frühstück vor. Alles stinkt nach Knoblauch. Sein Ferienhaus und die ganze Zufahrtstrasse. Ich schick ihn zum Wandern auf den Vulkan und verabschiede mich. Wir treffen uns lieber in Schwabing demnächst und besprechen alle Details. Dort ist es kälter, denk ich mir, aber auch klarer. Hier zieht gerade ein Sandsturm auf.

Sein Fuerteventura-Film lief im August spät nachts im ZDF. Wir waren stinksauer, da der FC Bayern gegen Chelsea erst im Elfmeterschießen gewann und unser erster gemeinsamer Film ziemlich verspätet anfing. Im Herbst 2014 wollen wir wieder - hier auf den Inseln.

Klaus Lemke dreht u.a. mit Negrescu, Brandstifter, Amore, Arabische Nächte 48 Stunden nach Acapulco insgesamt über 50 Spielfilme. Er entdeckte u. a. Iris Berben, Wolfgang Viereck, Thomas Kretschmann und Cleo Kretschmer. Mit Brigitte Bardot hielt er nicht nur Händchen und die Laudatio zum Münchner Filmpreis hielt Deutschlands derzeit bester Regisseur Dominik Graf ( Im Angesicht des Verbrechens ) Lemke lebt meistens in München und wandert jedes Jahr durch die Barrancos auf den Canaren.....

charlyweb

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